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Donnerstag, 11. November 2010

Young Rebel Set - "Young Rebel Set"


Young Rebel Set sind eine Meute von sieben Personen aus England. Sie fallen mit Mundharmonika, Mandoline und allerlei sonstigem Instument in Dein Wohnzimmer ein und planen, zu bleiben. Young Rebel Set machen primasten Indie-Rock mit Stadionaspekt und extrem klaren, eindeutigen Rhythmen. (Man kann darauf sogar Jive oder Foxtrott tanzen.) Es finden sich Texte mit schöner, anschaulicher Lyrik und Melodien, die sich einprägen und bei Bedarf liebgewonnen werden können. "Young Rebel Set" ist das Erstlingswerk von Young Rebel Set und eine 8-Track-LP, das geht halt gerade noch so als LP (im Gegensatz zu EP) durch, jedoch fühlt es sich nicht nach einem vollen Album an. Man kann also gespannt darauf warten, dass es vielleicht bald mal mehr Songs gibt.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Willy Russell - "Der Fliegenfänger"


Willy Russells "Der Fliegenfänger" ist eine Außenseiterstory. Aber eine mit Tiefgang; und: Der Protagonist erzählt seine eigene Geschichte über Briefe an Morrissey. Ein unterhaltsames Buch, welches zwar kein "Ich muss dieses Buch an einem Tag zu Ende lesen damit ich weiß wie es endet"-Gefühl entfacht, jedoch fühlt man sich im Laufe des Buches sehr in die Charaktere ein, lernt die Geschichte von unterschiedlichen Seiten kennen (was fantastisch ist, da der Protagonist eigentlich stets nur aus seiner Sicht erzählt - man erfährt jedoch durch die Art der Erzählung auch, wie die anderen Charaktere auf die Situation blicken) und bindet sich irgendwann so sehr emotional ein, dass man traurig wird, als das Buch endet. Ein Buch, welches ich nicht nur Morrissey-Fans ans Herz legen möchte, sondern allen, die bereits sind, dem Wahnsinn des Erwachsenwerdens ins Auge zu blicken und erkennen können, wie es ist, wenn man sich missverstanden fühlt und stets durch Klischeebildung in Schubladen wiederfindet.

Official Secrets Act - "Understanding Electricity"

Noch so eine Band, die ich von einem Festival "mitgebracht" habe. Dort nur im Hintergrund beim Biertrinken gehört, dachte ich doch, dass das ganz nett klingt. Daher: CD gekauft, angehört, und für gut befunden!

Official Secrets Act kommen aus England und machen entgegen der momentan im Indie-Rock-Pop gängigen Stimmung "depressiv und düster" sehr fröhliche, leichte Songs, die in sich alle unterschiedlich sind, aber als Gesamtwerk durchaus Sinn ergeben: "Understanding Electricity" ist eine Sommer-Platte, die einen gut durch den Tag bringt, wenn die Sonne scheint - und ist einem doch mal schwermütig, greift man eben auf die 101 anderen aktuellen Bands zurück, die dazu passende Soundtracks verfasst haben.

Freitag, 18. Juni 2010

Ed Harcourt - "Lustre"


Ich dachte immer, Ed Harcourt wäre alt, so an die 60 Jahre, und in irgendeiner Form adlig. Königin Recherche belehrte mich, dass mitnichten: Ed Harcourt wurde als Edward Henry Richard Harcourt-Smith am 14. August 1977 in Wimbledon, London, England geboren - somit hat er zwar einen Prinz-Namen, aber keinen Adelstitel und ist gerade mal 4 Jahre älter als ich. Klassischer Fall von Fail. (Weiterhin ließ sich herausfinden, dass er Großneffe von Elizabeth Davis ist, welche den Briten die italienische und französische Küche nahe brachte und so absurde Dinge wie Olivenöl oder die Zucchini salonfähig machte. Aber das ist eine andere Geschichte und hat rein gar nichts mit Ed Harcourts "Lustre" zu tun.)

"Lustre" ist eine zauberhafte Pop-Platte mit Souleinflüssen und einem Augenzwinkern über all der Melancholie, die sich in den Songs finden lässt. Vergleiche mit Jeff Buckley und Tom Waits liegen auf der Hand und sind wohl auch gewollt. In den Jahren 2001 - 2006 brachte Harcourt 4 Alben heraus, "Lustre" ist also Nummer 5 und hat den Herren 4 Jahre gebraucht - "nebenbei" hat er sich ein eigenes Studio aufgebaut und arbeitete dort als Produzent mit Größen wie Patti Smith und Tom Jones.

"Lustre" ist traurig, aber niemals depressiv, fröhlich, aber niemals kalauerhaft. "Lustre" wandelt auf den Pfaden von Nick Cave, aber sie ist besser. Darum heben wir alle Daumen für Ed Harcourt, auch, wenn die Realität neben der Phantasie mal wieder desillusionierend ist - denn was wäre schöner gewesen als ein alter Mann im Hermelin mit Krone auf, der rauchend und ein wenig abgeranzt die ganze Nacht am Klavier diese Lieder vorträgt?